Linien ziehen ist die unsichtbarste Arbeit im Verein. Sie fällt niemandem auf, solange sie da ist. Fehlt sie oder ist sie schief, redet am Samstag der halbe Platz darüber. Gemacht wird sie meistens von einer Person, die das ehrenamtlich neben ihrem Job erledigt, oft früh am Morgen, oft allein.
Für die gibt es diesen Text. Keine Produktbroschüre, sondern die Fragen, die tatsächlich am Gerät auftauchen.
Wie viel Farbe braucht ein Platz?
Der Richtwert am Gebinde liegt bei etwa 200 Milliliter pro Quadratmeter markierter Fläche. Das ist die entscheidende Einschränkung: gemeint ist die Linienfläche, nicht der Platz. Wer die 200 Milliliter mit 7.140 Quadratmetern Spielfeld multipliziert, kommt auf eine Zahl, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat.
Rechnen wir es einmal durch. Für ein Spielfeld von 105 mal 68 Metern ergibt sich aus den Regelmaßen:
| Linie | Länge |
|---|---|
| Seiten- und Torlinien | 346 m |
| Mittellinie | 68 m |
| Mittelkreis | 58 m |
| Zwei Strafräume | 147 m |
| Zwei Torräume | 59 m |
| Teilkreise und Eckbögen | 40 m |
| Summe | rund 717 m |
Bei zwölf Zentimetern Linienbreite sind das rund 86 Quadratmeter markierte Fläche. Mit dem Richtwert vom Gebinde landet man bei etwa 17 Litern angesetzter Farbe für eine vollständige Neumarkierung. Bei zehn Zentimetern Linienbreite sind es rund 72 Quadratmeter und damit gut 14 Liter – die Linienbreite ist der größte einzelne Hebel am Verbrauch.
Wichtig dazu zwei Dinge. Erstens ist das eine Rechnung, keine Messung: Linienbreite, Untergrund und Gerät verschieben das Ergebnis deutlich. Der Hersteller empfiehlt ausdrücklich, den Verbrauch am eigenen Objekt zu ermitteln, und das ist keine Floskel. Zweitens gilt die Zahl für eine Komplettmarkierung. Das Nachziehen während der Saison braucht einen Bruchteil davon, weil die alte Linie noch trägt.
Verdünnen: ja, aber nicht auf Vorrat
Die Farbe lässt sich bis 1:5 mit Wasser verdünnen. Das ist der Hebel, mit dem ein Kübel weit in die Saison reicht.
Der Haken steht klein auf dem Etikett und wird gern überlesen: nach dem Verdünnen ist die Farbe nur noch begrenzt lagerfähig. Wer am Freitag einen ganzen Bottich ansetzt, weil er am Samstag ohnehin wieder markiert, hat am Samstag möglicherweise Abfall. Immer nur so viel ansetzen, wie am selben Tag auf den Platz geht.
Vor dem Auftrag aufrühren. Nicht schütteln, nicht „wird schon" – aufrühren.
Ab welcher Temperatur es Sinn hat
Nicht unter fünf Grad Celsius. Und zwar weder Luft- noch Bodentemperatur, was im Frühjahr der häufigere Stolperstein ist: Die Luft hat um zehn Uhr acht Grad, der Boden nach einer klaren Nacht aber noch drei.
Das ist der Grund, warum die Markiersaison im Frühjahr beginnt und im Spätherbst endet, und der Grund, warum die erste Markierung des Jahres nicht am kältesten Morgen der Woche stattfinden sollte.
Das Gerät sofort spülen
Reinigung mit Wasser, direkt nach Gebrauch, bevor die Farbe antrocknet. Das dauert fünf Minuten und ist die unbeliebteste Viertelstunde des ganzen Vormittags, weil man da schon fertig sein will.
Wer es verschiebt, putzt beim nächsten Mal eine halbe Stunde und ärgert sich über Düsen, die ungleichmäßig sprühen. Eine schiefe Linie ist selten eine Frage des Augenmaßes und oft eine Frage der letzten Reinigung.
Über den Winter frostfrei lagern
Kühl, trocken, frostfrei. Der ungeheizte Geräteschuppen erfüllt zwei von drei Bedingungen, und die dritte ist die entscheidende. Ein Kübel, der durchgefroren ist, lässt sich im Frühjahr nicht mehr retten.
Wer im Herbst die Palette für die kommende Saison schon stehen hat, sollte sie dorthin stellen, wo auch im Jänner keine Minusgrade ankommen.
Was auf dem Gebinde noch steht
Die Farbe ist emissions- und lösemittelfrei und biologisch abbaubar. Sie ist für das vorübergehende Signieren von Spielfeldern gemacht, auf Rasen wie auf Aschenbahnen, und mit allen gängigen Spritz- und Markiergeräten anwendbar.
Ein Hinweis gehört dazu, auch wenn er unspektakulär ist: Das Gebinde trägt den Sicherheitshinweis EUH208. Es enthält ein Gemisch aus Isothiazolinonen und kann allergische Reaktionen hervorrufen. Bei empfindlicher Haut also Handschuhe, so wie bei jedem anderen Anstrich auch. Restentleerte Gebinde gehören zum Recycling.
Was das kostet
Wir liefern die Farbe von Seril aus Vöcklabruck im 25-Kilo-Kübel. Über 50 Vereine in ganz Österreich markieren damit.
Ab zwölf Kübeln kostet der Kübel 60 Euro netto, ab einer ganzen Palette mit 24 Kübeln 55 Euro netto. In beiden Fällen liefern wir in ganz Österreich kostenlos. Kleinere Mengen gehen auch, dann kommen Versandkosten nach Zielort dazu.
Der praktische Hinweis dazu: Zweimal zwölf Kübel kosten 1.440 Euro netto, dieselben 24 Kübel als Palette 1.320 Euro. Das sind 120 Euro Unterschied für dieselbe Menge. Für zwei Nachbarvereine, die sich eine Palette teilen, rechnet sich ein Anruf. Das ist im Unterhaus ohnehin die Regel und nicht die Ausnahme.
Alle Angaben zu Verbrauch, Verdünnung, Temperatur, Lagerung und Entsorgung stammen wörtlich vom Gebinde-Etikett. Die Rechnung oben ist unsere, nicht die des Herstellers.
Helmut Mitter
Gründer von Soccershop und seit über 20 Jahren im Vereins-Merchandise zu Hause. Berät Vereine, Verbände und Firmen in ganz Österreich.
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